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Valipac: Schwerpunkte der neuen Zulassung

Am 2. Dezember 2021 hat die Interregionale Verpackungskommission (IVK) Valipac, die Stelle, die für die Bewirtschaftung von Verpackungsabfall industrieller Herkunft zuständig ist, eine neue Zulassung für 5 Jahre erteilt.

Um die Kreislaufwirtschaft zustande zu bringen, hat die IVK Valipac in Hinblick auf getrennte Sammlung, Wiederverwertung in Europa, Vermeidung, Ökomodulation, Kreislaufprinzip, Transparenz und Wiederverwendung ehrgeizige Ziele auferlegt. Bei der Zulassung wird besonders auf den Zugang der KMUs zum dem Valipac-System geachtet.

Zielsetzungen der neuen Zulassung

Die neue Zulassung von Valipac enthält allgemeine Ziele, welche die strategischen Entscheidungen der Regionen im Bereich der gewerblichen Verpackungsabfälle widerspiegeln. 

In Absprache mit der Interregionalen Verpackungskommission und der Industrie muss sich Valipac auf die folgenden Ziele konzentrieren:

  1. Stoffliche Verwertung in der EU und in Belgien
    Bis 2026 effiziente und hochwertige stoffliche Verwertung für 80 % und bis 2030 100 % aller gewerblichen Verpackungsabfälle in der Europäischen Union und vorzugsweise in Belgien;
  2. Transparenz
    Lückenlose Rückverfolgbarkeit der Verpackungsabfälle bis zu ihrer endgültigen Bestimmung und vollständige Kenntnis der Verarbeitungsketten für alle gewerblichen Verpackungsabfälle;
  3. Austausch von Informationen über eine Plattform
    Größtmögliche Zusammenarbeit mit öffentlichen und privaten Organisationen in Europa zur Schaffung einer Plattform für den Informationsaustausch über die bei den Verwertern durchgeführten Audits;
  4. Gentrennte Sammlung
    Möglichst weitgehende Getrenntsammlung von gewerblichen (Verpackungs-)Abfällen durch Sensibilisierungs- und Kommunikationskampagnen mit intensiver Überwachung, wobei die Wirtschaft auch auf die geltenden Verpflichtungen zur Getrenntsammlung hingewiesen wird;
  5. Noch mehr Getrenntsammlung
    Steigerung der Anzahl der Unternehmen, die einen oder mehrere getrennte Verpackungsströme anbieten, bis 2025 um 25 % gegenüber 2019 und um mindestens weitere 25 % gegenüber 2025 bis 2030;
  6. Größtmögliche Trennung von Restmüll
    Reduzierung der Menge an wiederverwertbarem Verpackungsabfall im Restmüll der Unternehmen auf null.

Pauschalierung und KMU-Plan

Mit der Zahlung einer Containerpauschale, einer Recyclingpauschale und einer Startpauschale spornt Valipac die Entpacker an, möglichst viele gewerbliche Verpackungsabfälle getrennt zu sammeln. Wie auch bei den früheren Zulassungen behält Valipac sein pauschales Vergütungssystem für Entpacker bei, wobei kleine Entpacker und Einzelhändler im Rahmen des KMU-Plans besonders berücksichtigt werden. 

Um zu überprüfen, ob das Pauschalierungssystem noch die tatsächlichen Gesamtkosten der Bewirtschaftung der gewerblichen Verpackungsabfälle widerspiegelt, nimmt Valipac bis Mitte 2024 eine gründliche Überprüfung der Pauschalbeträge vor

In diesem Zusammenhang wird Valipac die technische Möglichkeit einer Verdoppelung der Pauschale für die Kunststoffverwertung für Entpacker untersuchen, die sich explizit für eine Verwertung ihrer Verpackungsabfälle in einem Kreislaufverfahren innerhalb der Europäischen Union entscheiden.

Kreislaufwirtschaft

Erzielen einer hochwertigen stofflichen Verwertung, Unterbinden von Downcycling, Förderung von Kreislaufanwendungen: So sieht unser Einsatz für die Kreislaufwirtschaft aus.

2.3.1 Neue kumulierbare Prämien für die Betreiber

Daher sind zusätzlich zu der normalen Verwaltungsprämie in Höhe von 2 Euro/Tonne an die Betreiber (Sammler und Verwerter von gewerblichen Verpackungsabfällen) für dieses neue kumulierbare Prämien vorgesehen:

  1. 10 Euro/Tonne für die stoffliche Verwertung innerhalb der EU,
  2. 10 Euro/Tonne für die stoffliche Verwertung innerhalb eines maximalen Entfernungsradius, der sich nach den Kosten für die Kontrolle der Daten richtet.
  3. 5 Euro/Tonne für die stoffliche Verwertung durch zertifizierte Kunststoffverwerter und
  4. schließlich ab dem 1. Januar 2025: 5 Euro/Tonne
    für die stoffliche Verwertung von Kunststoff nach dem Kreislaufprinzip, wie z. B. die stoffliche Verwertung von Folie zu Folie.

Auf diese Weise kann ein Betrag von bis zu 32 Euro/Tonne erreicht werden.

2.3.2. Pilotprojekte

Valipac entwickelt in enger Absprache mit der Interregionalen Verpackungskommission bis zum 30. Juni 2023 ein ehrgeiziges Programm zur Einrichtung von Pilotprojekten für die Kreislaufwirtschaft. 

Eines der Ziele dieses Programms ist es, bis 2026 die Hälfte der gesammelten Folien zu neuen Folien zu recyceln.

Datenkontrolle

Die Verträge mit Betreibern und Händlern müssen ausreichende Garantien für die effektive Verwertung der industriellen Verpackungsabfälle bieten und bedürfen im Voraus der Genehmigung durch die IVC.

Valipac ergreift folgende Maßnahmen, um ein Kontrollniveau zu gewährleisten, das ausreichende Garantien für die Richtigkeit der Daten bezüglich der stofflichen und sonstigen Verwertung bietet bei einer Kontrolle bis hin zur endgültigen Verwertung oder Verarbeitung:

  1. vollständige geographische Erfassung der Verwertungskette (Kartographie);
  2. Einrichtung eines Programms für das systematische Audit von Verpackungsabfällen aus der Industrie; insbesondere bei Mengen, die in den Handel gelangen, gilt ein systematisches Audit als gegeben, wenn mindestens 90 % der Tonnage jährlich und spätestens 6 Monate nach Ende des Prüfungszeitraums auditiert werden;
  3. Jährliche Festlegung dieses konkreten Auditprogramms zusammen mit der IVK.

Mengen, die nicht geprüft werden können, werden bei den Zahlen für die stoffliche Verwertung grundsätzlich nicht berücksichtigt.

Eco-Fee-Modulierung der Tarife

Mit der Ökomodulation Eco-Fee-Modulierung der Tarife von Valipac soll erreicht werden, dass Rohstoffe vermehrt kreislaufmäßig bewirtschaftet werden, um so die Belastung der Umwelt durch Verpackungen zu reduzieren.

Deshalb führt Valipac ab 2022 eine neues Bonussystem für Verpackungsverantwortliche ein: 50 Euro pro Tonne Post-Consumer-Rezyklat, das in Kunststoffverpackungen verwendet wird, die zu mindestens 50 % aus Post-Consumer-Rezyklat bestehen.

Valipac wird im Laufe des Jahres 2023 prüfen, ob dieses System ab 2024 auf Verpackungen ausgeweitet werden kann, die weniger als 50 % Post-Consumer-Rezyklat enthalten, und ob ein weiterer Bonus für Verpackungen gewährt werden kann, welche Mindestkriterien für “Design for Recycling“ erfüllen. 

Darüber hinaus muss ab 2023 der Tarif für nicht wiederverwertbare Verpackungen mindestens doppelt so hoch sein wie der für wiederverwertbare Kunststoffe.

Stimulierung von Abfallvermeidung und Wiederverwertung

Außerdem muss Valipac der Interregionalen Verpackungskommission bis Dezember 2022 ein ambitioniertes Aktionsprogramm zur Vermeidung von Verpackungsabfällen bei den Mitgliedern vorschlagen. 

Dieses Aktionsprogramm muss bis zum Ende des Genehmigungszeitraums eine absolute Reduzierung der in Verkehr gebrachten Einwegverpackungen um mindestens 5 % gegenüber dem Tonnengewicht von 2021 ohne Beeinträchtigung der Zielvorgaben für die stoffliche Verwertung anstreben.

Bis dahin wird Valipac ein ähnliches Programm zur Förderung der Verwendung von Mehrwegverpackungen bei seinen Mitgliedern vorschlagen.  

Im Rahmen dieser beiden Aktionsprogramme sind auch Pilotprojekte vorgesehen.

Berichterstattung für Industrieabfälle

Zur Berichterstattung in Bezug auf Industrieabfälle, die von Betreibern, die einen Vertrag mit Valipac abgeschlossen haben, verarbeitet oder weiterverkauft werden, benutzt Valipac weiterhin die Anwendung “MyClients-Materials“, die während des letzten Zulassungszeitraums entwickelt wurde und sich als sehr effizientes Berichtsinstrument erwiesen hat.  

Sie betrifft die Ströme Restabfall, Papier/Pappe, A-Holz, B-Holz, C-Holz, Eisenmetalle, Nichteisenmetalle, Mischmetalle, Flachglas, Hohlglas, gefährliches Glas, Kunststofffolien, EPS und Hartkunststoffe.

Der Bericht enthält eine Vielzahl von Daten wie die Mengen für jeden Abfallstrom pro Region, die Anzahl der jeweiligen Abholadressen für die jeweiligen Abfallströme pro Region sowie den Grad der Getrenntsammlung pro Region und Cluster.

Resultate der Kartierung 2020

Berichterstattung an die IVK hinsichtlich der Endbestimmungen der Kunststoffströme 2020 (Kartographie)

Die Kartografie zeigt die Recyclingkette vom Sammler und Händler bis zum Endverwerter auf. Insgesamt konnten 56 Kilotonnen der Kette für Kunststoffverpackungsabfälle vollständig aufgezeigt werden; dieser Abfall wurde in Europa, Asien oder der Türkei recycelt.

Kontinent Asien Europa Türkei Insgesamt
Marktanteil 36,5 % 39,8 % 23,7 % 100 %
Gewicht in t 21 Kilotonne 22 Kilotonne 13 Kilotonne 56 Kilotonne

 

Diese Mengen repräsentieren 97,5 % des gesamten Kunststoffverpackungsabfalls aus der Industrie, der von Betreibern, die mit Valipac unter Vertrag stehen, dem Recycling zugeführt werden. Valipac ist somit auf dem guten Weg, die in der neuen Zulassung auferlegte 100 % Rückverfolgbarkeit zu erreichen.

Gesamtüberblick über die örtliche Bestimmung der Endverwertung

Die nachstehenden Zahlen wurden von der zugelassenen Stelle Valipac bereitgestellt. Die Zahlen für Kunststoff sind der Kartographie entnommen und darum besonders zuverlässig. Die Kartographie soll künftig mit immer mehr Materialien vervollständigt werden.

Holz Papier/ Pappe Kunststoff Metall
Belgien 91 % 36 % 16 % 57 %
EU 9 % 47 % 22 % 20 %
Außerhalb der EU 0 % 17 % 62 % 23 %
Insgesamt 100 % 100 % 100 % 100 %